Das War's Dann

Nach 12547 Tagen, oder 34 Jahren, 4 Monaten und 7 Tagen machte ich am 6. Februar den letzten kleinen Rundflug, in der Reservationsliste als “Trainingsflügli” vermerkt.

Begonnen hatte meine fliegerische Entdeckungsreise am 30. September 1985 um 09:25 (UTC)

Dass mein fliegerisches Ende so profan sein würde hätte ich nie gedacht. Ich malte mir stets aus, meine letzte Landung auf dem Flughafen Gibraltar zu machen, am liebsten noch mit einer Bruchlandung, so nach dem Motto: Die Trümmer liegen in Pistenrichtung, also gilt die Landung als geglückt!

Stattdessen gab mir eine Lungenentzündung und teilweise auch die Behinderungen durch Corona den Rest. Letztere bestärkten mich in der Absicht nicht mehr zu insistieren, auf dass ich auf biegen und brechen noch einige weitere Jahre fliegen dürfte. Die Behinderungen durch Corona sind doch so, dass ein Fliegen über die Grenzen stets mit einem gewissen Risiko verbunden sind.

Es reicht

Es war schön, spannend, lehrreich, mehr kann man fast nicht erreichen: Ich flog Hamburg an, dann beim selben Ausflug die Nordseeinsel Wangerooge, wir landeten in Chisinau, die Hauptstadt Moldawins, die Insel Malta durften wir vor der Landung umrunden und ich flog ganz allein an die Atlantikküste nach Biarritz.
Letzteres hätte ich fast nicht gefunden, denn als ich des Morgens in Montpellier startete, 1000 ft erreicht hatte konsultierte ich das GPS, aufdass es mir den Weg weisen möge. WASSOLLDAS? Der Pfeil zeigte stur nach Osten, aber ich musste doch nach Westen ??? “Isch es kabutt?” Ach Jahh! Das sonst zuverlässige GPS war noch im programmiermodus. Also neben steuern, steigen, Geschwindigkeitskontrolle musste noch das GPS auf Gebrauch umprogrammiert werden. OK, scheinbar gelang es, denn das Flugreisebüchlein belegt mit Datum vom 3.11.2001 Landung in LFBZ.

Apropos GPS, in Korsika verliess mich das unverzichtbare Gerätlein vollständig: Nach dem Start, sichere Höhe erreicht schweifte mein Blick auf das GPS, oder besser dorthin wo es üblicherweise steht. Kein GPS! Ja wo ist es denn? Ach jahh, ich hatte es vor dem Start, gemütlich auf dem Flügel stehend auf dem Dach der PER programmiert und ... dort oben vergessen!!! Also das war das Geräusch das ich beim Gasgeben aus dem Bereich Seitensteuer gehört hatte. Gut, um Landung ersuchen, bewilligt, und da lag das GPS im Gras, dort wo ich parkiert hatte. Wieder starten und - Flugplatzbetreiber lest genau: OHNE Gebühr.

Calvi im Anflug auf die Piste one-eight

Apropos Korsika, eine fantastische Insel, ich war ja öfters dort. Auch mal als sich ein Wahnsinnssturm ankündigte. Ich rief den Flughafen an und äusserte die Bitte, man möchte doch bitte die KHG anbinden. “Naturellement, Monsieur, nous voulons faire”. Aber, es blieb beim wollen, denn als wir uns dann Tags darauf für den Rückflug bereit machten, das Flugzeug besichtigten war natürlich nichts gemacht worden, aber glücklicherweise stand das Fliegerli noch da wie wir es vor Wochenfrist verlassen hatten. Besser hatte es damals das Militär: Die stellten einfach zwei Schützenpanzer unter die Flügel und fixierten die Transportmaschine daran.

Nicht ganz Korsika, etwas weiter südlich: Anflug auf Piste 14 in Cagliari, danach ging mein Geburtstagsflug aber zurück nach Korsika, wo ich wegen schlechtem Wetter 2 Wochen Zwangsaufenthalt einlegen musste.

Und so begann es

Begonnen hatte es mit einem Schnupperflügli, wie bereits vermerkt am 30. September 1985. Jannette Fischer war damals meine Fluglehrerin, die mit mir von Locarno nach Ascona (und zurück) flog.

Anscheinend fand ich Gefallen daran, denn bereits Ende März des Folgejahres besuchte ich - nach intensiver Suche - in Grenchen einen Dreiwochen- Theoriekurs mit garantiertem Prüfungsabschluss. Das mit dem Prüfungsabschluss fiel beinahe ins Wasser, wir mussten dann dazu in eine Beiz in Beromünster dislozieren. Aber immerhin, es hatte geklappt, so hatte ich bereits den theoretischen Teil hinter mir.

Für die praktische Flugausbildung wählte in Basel. Basel? Ja, weil es mit dem Zug mit nur einmal umsteigen erreichbar ist, eine gute Flugschule hat, ein grosser Flughafen ist und - das merkte ich aber erst später - ich einen super- Fluglehrer bekam: Ernst Metzger, das ist der unkonventionelle Typ, der mal in Samedan gelandet ist (ohne das Fahrgestell auszufahren ... (nicht weitersagen)).

Am letzten Tag des Erntemonats August durfte ich die Fluglizenz aus den Händen meines Fluglehrers entgegennehmen. Wir vereinbarten uns noch zu einem Glas Wein am Rheinufer. Ich hatte mein Töffli dabei und natürlich brauste Ernst mit seinem BMW auf der Flughafenstrasse davon, ich sah ihn vielleicht 15 Sekunden. Aber am Rheinufer war ich gerade im Begriff ein zweites Glas Weissen zu bestellen, da kam endlich der Fluglehrer. Mit meinem 30-er Töffli konnte ich am Stadtrand den Kompass zücken und Geradewegs das Rheinufer ansteuern, er hingegen musste Umwege fahren, Parkplatz suchen und dann zu Fuss zum Hotel Krafft (Bayside). 

Damit war aber noch lange nicht ready for take off in LSZS (Samedan). Zu der Zeit durfte erst eines der Flugzeuge fliegen der mindestens 50 Stunden im Flugbuch hatte. Ich versuchte in Bad Ragaz diese Manko auszugleichen, mit mässigem Erfolg: die kleine Cessna 150 war beliebt und ich erinnere mich, dass ich das Fliegerlein mal en einem Samstag von 10 bis 11 Uhr reserviert hatte. Die vorher fliegende Pilotin landete zu spät und der Pilot nach mir stand auch schon in den Startlöchern. Also liess ich’s bleiben und fuhr unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Ein andermal hatte ich das Glück das Fliegerlein länger reservieren zu können. Dann nahm ich mir vor, nach Samedan zu fliegen um denen da oben zu zeigen, dass der Hunziker auch ohne 50 Stunden in Samedan fliegen kann. Nach dem Start, Nase in Richtung Chur und steigen, steigen und dann schaute ich mal nach unten und sah, wie mich die Autos unten auf der Autobahn überholten. Da verliess mich der Mut, ich kehrte zurück, gab das Fliegerlein ab und meldete mich nach dem ersten Alleinflug und zwei Einweisungsflügen von Bad Ragaz ab.

Ein Flug nach Milano Linate

Und meldete mich in Samedan an! Franz Zimmermann gab sich die Ehre mich auf meinen Flügen bis zur 50-sten Stunde zu begleiten. Natürlich nutzten wir die Zeit für ausgiebiges Alpenflugtraining, Einweisung in die perfekte HB-PHW, mit 230 PS immer noch ein perfektes Flugzeug für Samedan und die nicht minder geeignete Cessna CVF mit Einspritzmotor.

LSZS: Clear for take off

Dann endlich am 19.1. 1987 begann die fliegereische Freiheit in Samedan
                         

Mit der Berechtigung auf der HW und der VF: Locarno, Ascona, Birrfeld, und am 23.5.87 folgte der erste Ausland- Alleinflug nach Bergamo.

Dann flog ich verschiedenste Flugplätze in der Heimat an, ich habe sie durchgezählt, 28 an der Zahl von den drei Landesflughäfen bis zu den kleinsten, wie Triengen mit damals noch der kürzesten Piste von 395 Metern, oder Bad Ragaz wo die längere Piste trotzdem nicht ausreichte und das Fliegerlein über die verschneite Piste hinausrutschte und erst im gefrorenen Acker zum stehen kam. Oder Ascona, das tolle Flugplätzchen von dem aus man zu Fuss an die Costa zum Coppa spazieren konnte.

Weit interessanter waren allerdings Auslandflüge und da habe ich unzählige Flugplätze im umliegenden Ausland angeflogen.

Wer jetzt noch nicht genug hat, der kann nochmal:

Meine Tabakflüge

Auch Cannes oder Chambéry musst ich des öftern anfliegen um Gauloises Tabak für meine "Tabakfabrik" zu kaufen. Bei diesen Orten - aber auch auf Korsika, Calvi und Bastia - wusste ich genau wo die Tabakläden waren und somit hatte ich meine 80 Beutel schnell zusammen und flog gleichentags oder Tags darauf wieder zurück. In Samedan wurde ich jeweils vom Zoll erwartet, weil DIE wussten, wenn Hunziker von Frankreich kommt, dann er Tabak dabei. Aniway ich bezahlte den Obolus gerne, denn der Tabak von Frankreich war um Klassen besser als den Abschaum den man hier bekam.

Jaahh die Näheren, wie Innsbruck, Bergamo, Bozen da flog man des öftern hin. Weniger oft war man auf den weiter entfernten Plätzen, wie Venedig, Genua, Salzburg usw. Paris, ja, da waren wir auch mal; eigentlich wollte ich Le Bourget anfliegen, aber die horrenten Kosten, allein für's handling 400 Franken, das war mir dann doch zu teuer. Wir wählten dann ein kleines Plätzchen östlich der Stadt als Destination und im Hinflug nervte uns dafür "Info" mit der Auskunft, dass dieses Flugplätzlein keinen Zoll hätte, was wir zu tun gedächten."Sche....", jaahhh, vor uns lag - 5 Flugminuten entfernt - ein Flugplatz:"hat der Zoll" "Jes Sir he has Custom" "OK, request landing in ..." "aproved, change to 13.,000". Item das hatte geklappt und auf der Rückreise machten wir dann Zwischenhalt in Basel.

Ja ja, beim Fliegen erlebt man Sachen, wie beispielsweise in Hamburg als die sympathische Frauenstimme am Funk fragte: "You have the airport in sight?" "Yes Miss, we are overhead" Dabei hatte sie uns 5 Min vorher angewiesen ein midfield crossing zu machen und in den right- Downwind zu fliegen.

Oder der Funker in Mailand, der plötzlich zwei HHW am Funk hatte, man spürte, er kam aus dem Konzept: Ich informierte ihn, dass da zwei gleiche, aber verschiedene Flugeuge auf einer Frequenz sind. Wir bemühten uns dann der Funkdisziplin und funkten ganz korrekt: HB-PHW resp. HB-CHW.