Das War's Dann

Begonnen hatte meine fliegerische Entdeckungsreise

am 30. September 1985 um 09:25 (UTC).

Und nach 34 Jahren, 4 Monaten und 7 Tagen während derer ich 1670 Stunden und 33 Minuten am Steuerknüppel sass und 2360 Landungen "aufs Parkett Legte" machte ich am 6. Februar den letzten kleinen Rundflug, in der Reservationsliste als “Trainingsflügli” vermerkt.

Dass mein fliegerisches Ende so profan sein würde hätte ich nie gedacht. Ich malte mir stets aus, meine letzte Landung auf dem Flughafen Gibraltar zu machen, am liebsten noch mit einer Bruchlandung, so nach dem Motto: Die Trümmer liegen in Pistenrichtung, also gilt die Landung als geglückt!

Stattdessen gab mir eine Lungenentzündung und teilweise auch die Behinderungen durch Corona den Rest. Letztere bestärkten mich in der Absicht nicht mehr zu insistieren, auf dass ich auf biegen und brechen noch einige weitere Jahre fliegen dürfte. Die Behinderungen durch Corona sind doch so, dass ein Fliegen über die Grenzen stets mit einem gewissen Risiko verbunden sind.

Es reicht

Es war schön, spannend, lehrreich, mehr kann man fast nicht erreichen: Ich flog Hamburg an, dann beim selben Ausflug die Nordseeinsel Wangerooge, wir landeten in Chisinau, die Hauptstadt Moldawins, die Insel Malta durften wir vor der Landung umrunden,ich landete auf dem höchstgelegenen Flugplatz in Nordamerika und ich flog ganz allein an die Atlantikküste nach Biarritz
Letzteres hätte ich fast nicht gefunden, denn als ich des Morgens in Montpellier startete, 1000 ft erreicht hatte konsultierte ich das GPS, aufdass es mir den Weg weisen möge. WASSOLLDAS? Der Pfeil zeigte stur nach Osten, aber ich musste doch nach Westen ??? “Isch es kabutt?” Ach Jahh! Das sonst zuverlässige GPS war noch im programmiermodus. Also neben steuern, steigen, Geschwindigkeitskontrolle musste noch das GPS auf Gebrauch umprogrammiert werden. OK, scheinbar gelang es, denn das Flugreisebüchlein belegt mit Datum vom 3.11.2001 Landung in LFBZ.

Apropos GPS, in Korsika verliess mich das unverzichtbare Gerätlein vollständig: Nach dem Start, sichere Höhe erreicht schweifte mein Blick auf das GPS, oder besser dorthin wo es üblicherweise steht. Kein GPS! Ja wo ist es denn? Ach jahh, ich hatte es vor dem Start, gemütlich auf dem Flügel stehend auf dem Dach der PER programmiert und ... dort oben vergessen!!! Also das war das Geräusch das ich beim Gasgeben aus dem Bereich Seitensteuer gehört hatte. Gut, um Landung ersuchen, bewilligt, und da lag das GPS im Gras, dort wo ich parkiert hatte. Wieder starten und - Flugplatzbetreiber lest genau: OHNE Gebühr.

Calvi im Anflug auf die Piste one-eight

oh tschuldigung: dix-huit

Apropos Korsika, eine fantastische Insel, ich war ja öfters dort. Auch mal als sich ein Wahnsinnssturm ankündigte. Ich rief den Flughafen an und äusserte die Bitte, man möchte doch bitte die KHG anbinden. “Naturellement, Monsieur, nous voulons faire”. Aber, es blieb beim wollen, denn als wir uns dann Tags darauf für den Rückflug bereit machten, das Flugzeug besichtigten war natürlich nichts gemacht worden, aber glücklicherweise stand das Fliegerli noch da wie wir es vor Wochenfrist verlassen hatten. Besser hatte es damals das Militär: Die stellten einfach zwei Schützenpanzer unter die Flügel und fixierten die Transportmaschine daran.

Nicht ganz Korsika, etwas weiter südlich: Anflug auf Piste 14 in Cagliari, danach ging mein Geburtstagsflug aber zurück nach Korsika, wo ich wegen schlechtem Wetter 2 Wochen Zwangsaufenthalt einlegen musste.

Und so begann es

Begonnen hatte es mit einem Schnupperflügli, wie bereits vermerkt am 30. September 1985. Jannette Fischer war damals meine Fluglehrerin, die mit mir von Locarno nach Ascona (und zurück) flog.

Anscheinend fand ich Gefallen daran, denn bereits Ende März des Folgejahres besuchte ich - nach intensiver Suche - in Grenchen einen Dreiwochen- Theoriekurs mit garantiertem Prüfungsabschluss. Das mit dem Prüfungsabschluss fiel beinahe ins Wasser, wir mussten dann dazu in eine Beiz in Beromünster dislozieren. Aber immerhin, es hatte geklappt, so hatte ich bereits den theoretischen Teil hinter mir.

Für die praktische Flugausbildung wählte in Basel. Basel? Ja, weil es mit dem Zug mit nur einmal umsteigen erreichbar ist, eine gute Flugschule hat, ein grosser Flughafen ist und - das merkte ich aber erst später - ich einen super- Fluglehrer bekam: Ernst Metzger, das ist der unkonventionelle Typ, der mal in Samedan gelandet ist (ohne das Fahrgestell auszufahren ... (nicht weitersagen)).

Am letzten Tag des Erntemonats August durfte ich die Fluglizenz aus den Händen meines Fluglehrers entgegennehmen. Wir vereinbarten uns noch zu einem Glas Wein am Rheinufer. Ich hatte mein Töffli dabei und natürlich brauste Ernst mit seinem BMW auf der Flughafenstrasse davon, ich sah ihn vielleicht 15 Sekunden. Aber am Rheinufer war ich gerade im Begriff ein zweites Glas Weissen zu bestellen, da kam endlich der Fluglehrer. Mit meinem 30-er Töffli konnte ich am Stadtrand den Kompass zücken und Geradewegs das Rheinufer ansteuern, er hingegen musste Umwege fahren, Parkplatz suchen und dann zu Fuss zum Hotel Krafft (Bayside). 

Damit war aber noch lange nicht ready for take off in LSZS (Samedan). Zu der Zeit durfte erst eines der Flugzeuge fliegen der mindestens 50 Stunden im Flugbuch hatte. Ich versuchte in Bad Ragaz diese Manko auszugleichen, mit mässigem Erfolg: die kleine Cessna 150 war beliebt und ich erinnere mich, dass ich das Fliegerlein mal en einem Samstag von 10 bis 11 Uhr reserviert hatte. Die vorher fliegende Pilotin landete zu spät und der Pilot nach mir stand auch schon in den Startlöchern. Also liess ich’s bleiben und fuhr unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Ein andermal hatte ich das Glück das Fliegerlein länger reservieren zu können. Dann nahm ich mir vor, nach Samedan zu fliegen um denen da oben zu zeigen, dass der Hunziker auch ohne 50 Stunden in Samedan fliegen kann. Nach dem Start, Nase in Richtung Chur und steigen, steigen und dann schaute ich mal nach unten und sah, wie mich die Autos unten auf der Autobahn überholten. Da verliess mich der Mut, ich kehrte zurück, gab das Fliegerlein ab und meldete mich nach dem ersten Alleinflug und zwei Einweisungsflügen von Bad Ragaz ab.

Ein Flug nach Milano Linate

Und meldete mich in Samedan an! Franz Zimmermann gab sich die Ehre mich auf meinen Flügen bis zur 50-sten Stunde zu begleiten. Natürlich nutzten wir die Zeit für ausgiebiges Alpenflugtraining, Einweisung in die gutmütige HB-PHW, mit 230 PS immer noch ein perfektes Flugzeug für Samedan und die nicht minder geeignete Cessna CVF mit Einspritzmotor.

LSZS: Clear for take off

Das war's dann

Dann endlich am 19.1. 1987 begann die fliegerische Freiheit in Samedan,
                         

mit der Berechtigung auf der HW und der VF: da flog ich erst mal Locarno, Lugano und die verschiedensten Flugplätze in der Heimat an, ich habe sie durchgezählt, 28 an der Zahl von den drei Landesflughäfen bis zu den kleinsten, wie Triengen mit damals noch der kürzesten Piste von 395 Metern, oder Bad Ragaz wo die längere Piste trotzdem nicht ausreichte und das Fliegerlein über die verschneite Piste hinausrutschte und erst im gefrorenen Acker zum stehen kam. Oder Ascona, das tolle Flugplätzchen von dem aus man zu Fuss an die Costa zum Coppa spazieren konnte.

Weit interessanter waren allerdings Auslandflüge und da habe ich unzählige Flugplätze im umliegenden Ausland angeflogen.

Das war's dann

Auf dem Heimweg IFR (I follow the road)

Am 23.5.87 folgte der erste Ausland- Alleinflug nach Bergamo. Jaahh und die Näheren, wie Innsbruck, Bozen, Ausburg, Stuttgart, oder eben Bergamo, da flog man des öftern hin. Weniger oft war man auf den weiter entfernten Plätzen, wie Venedig, Genua, Salzburg usw. Paris, ja, da waren wir auch mal; eigentlich wollte ich damals Le Bourget anfliegen, aber die horrenten Kosten, allein für's handling 400 Franken, das war mir dann doch zu teuer. Wir wählten dann ein kleines Plätzchen östlich der Stadt als Destination und im Hinflug nervte uns dafür "Info" mit der Auskunft, dass dieses Flugplätzlein keinen Zoll hätte, was wir zu tun gedächten."Sche....", jaahhh, vor uns lag - 5 Flugminuten entfernt - ein Flugplatz: "hat der Zoll" "Yes Sir he has Custom" "OK, request landing in ..." "aproved, change to 12.,...". Item das hatte geklappt und auf der Rückreise machten wir dann Zwischenhalt in Basel, da ist der Zoll automatisch mit drin.

Meine Tabakflüge

Auch Cannes oder Chambéry musste ich des öftern anfliegen um Gauloises Tabak für meine "Tabakfabrik" zu kaufen. Bei diesen Orten - aber auch auf Korsika, Calvi und Bastia - wusste ich genau wo die Tabakläden waren und somit hatte ich meine 80 Beutel schnell beisammen und flog gleichentags oder Tags darauf wieder zurück. In Samedan wurde ich jeweils vom Zoll erwartet, weil DIE wussten, wenn Hunziker von Frankreich kommt, dann hat er Tabak dabei. Aniway ich bezahlte den Obolus gerne, denn der Tabak von Frankreich war um Klassen besser als den Abschaum den man hier bekam.

Aber einmal geschah es, dass ich wegen schlechten Wetters im Tessin zwischenlanden musste. Am nächsten Tag konnte ich dann nach Hause fliegen

NANU? und wo sind denn die Zöllner?

ACH JA, ich kam ja von Lugano, also Inlandflug. 

Nun gut, das ist so lange her, dass ich keinen Knast mehr zu erwarten habe.

Ein Ausflug 2009 nach Venezia

Ein Ausflug nach Venezia: der Anflug auf Flugplatz Lido

Rückflug am nächsten Tag, wo ist das Föteli aufgenommen? RICHTIG und ganz klar: über dem Berninapass, den Propeller sieht man ja ganz genau

Ein nicht alltägliches Erlebnis, Fliegen in den USA

Ausgangs 1991 verlebte ich die Feiertage in den USA. Ab Denver Centennial Airport unternahm ich erst einige Flüge mit dem Fluglehrer, unter anderem zum Lake County Airport mit 3025.75 MüM der höchste Lande-platz auf dem amerikanischen Nordkontinent.

Und am 24.12. während in der alten Welt die Weihnachts-kerzen angezündet wurden genossen wir auf dem Airport von Colorado Springs zum Z'mittag einen Hangar- Burger

Nachdem der Fluglehrer mit meinen

fliegerischen Leistungen zufrieden war

starteten wir zu einer grösseren Flugreise:

Denver - Santa Fe, das erste Leg wo ich prompt die falsche Piste erwischte, bei 6 Pisten allerdings nicht weiter verwunderlich

Von Santa Fe gings an den Gran Canyon, dann nach Page am Lake Powell. Während die Fliegerei in grossen Teilen völlig unkontrolliert war erlebten wir lediglich bei der Querung des Gran Canyons das einzige Restriction Aerea auf der Reise

Ab Page wurde es dann wieder interessanter, die Berge nahten: Ziel war Aspen mitten in den Rocky Mountains

Dort mussten wir unsere N0B wegen schlechtem Wetter erst mal stehen lassen und gingen auf der Strasse zurück nach Denver

Tage später konnten wir das Fliegerli wieder abholen, das Wetter war "grand beau" aber das Fliegerli musste ich erst noch enteisen lassen. Nachdem wir uns gewohnt waren dass Fliegen in USA nichts oder fast nichts kostet riss die Enteisung ein massives Loch in die Ferienkasse.

Und dann ging's los, oder besser, hätte es losgehen sollen: "N8540B, request taxi" - "murmelmurmel" - "N8540B, request taxi" - "murmelmurmel" - ... *

ich würde heute noch dortstehen und um die Taxi- clearnce ersuchen, aber ich rollte einfach los. Die Funkdisziplin in den Staaten ist elend und ist ein Geplauder wie bei uns am Stammtisch. Wenn es möglich war, merkte ich stets an, der Funker möge sich einer ICAO- konformen Funkdisziplin bemühen, ich sei ein kleiner swiss-pilot und der englischen Sprache nur bedingt mächtig

* Das Gemurmel des Controllers entzif-ferte ich im Nachhinein ungefähr als: "der kleine Grüne kann gehen"

Ja ja, beim Fliegen erlebt man Sachen, wie beispielsweise in Hamburg als die sympathische Frauenstimme am Funk fragte: "You have the airport in sight?" "Yes Miss, we are overhead" Dabei hatte sie uns 5 Min vorher angewiesen ein midfield crossing zu machen und in den right- Downwind zu fliegen.

Valposchiavo, ganz unten am Südende des Lago di Poschiavo, das kleine Bijou Albergo Ristorante Miralago

Oder der Funker in Mailand, der plötzlich zwei HHW am Funk hatte, man spürte, er kam aus dem Konzept: Ich informierte ihn, dass da zwei gleiche, aber verschiedene Flugzeuge auf seiner Frequenz sind. Wir bemühten uns dann um Funkdisziplin und funkten ganz korrekt: HB-PHW resp. HB-CHW.

Konzentration vor der Landung

Und vor nicht allzu langer Zeit liess ich in Innsbruck den Mann im Tower zappeln: Gut ich wusste es nicht, aber ich vermutete immerhin, dass von Osten her kein Flugzeug mit der Funkkennung H-KE im Anflug war. Aber es hätte ja sein können. Immerhin wiederholte er diese Kennung mehrmals, stetig etwas nervöser. Ich blieb ruhig obwohl ich langsam vermuten musste, dass er mich meinte. Und als er die vollständige Kennung ins Mikrofon hackte: HotelBravoKiloEchoYankee, dann mel-dete ich mich korrekt mit "HEY go ahead". Vielleicht hat er's gelernt und zudem war keine Gefahr im Verzug: Wir zwei, die HKE und die HEY waren die einzigen am Funk.

Eine Schikane auf dem Flughafen Friedrichshafen

Aber es muss ja nicht immer der Funk sein: Bei unserem Validierungsflug für CVFR, ja das gabs früher mal, auch das BB habe ich mal gemacht und beides hat viel gekostet und wurde einfach ersatzlos gestrichen, aber das Geld dafür hat men eingestrichen.

Item, gut wir waren - Fritz Auer und ich - auf dem Flug zur Erlangung des CVFR: Von der ersten Zwischenstation Cannes sollte es über Korsika - Sardinen - Italien nach Griechenland gehen.

Ich sass beim Start in Cannes auf dem linken Pilotensitz der weisshaarige Prüfungsexperte der mehr Freude an seiner goldenen Kreditkarte als am Fliegen hatte sass rechts. Dann, ich hatte kurz vorher ausgerechnet, dass wir die Mitte über dem Mittelmeer überflogen hatten, da stotterte der Motor! Woow! Der Kreditkartenbesitzer riss mir die Haube vom Kopf und wurde kreidebleich. Ich orientierte kurz, dass wir die Reise fortsetzen weil wir die Mitte bereits überflogen hätten, orientierte aber Fluglehrer und Passagier sie mögen die Augen offenhalten und jedes Schiff das sie sähen melden. Gut wir erreichten unser kleines Ziel- Flugplätzlein Propriano, südlich von Ajaccio. Wie es der Zufall so will, hatte es dort eine kleine Werkstatt mit sogar einem Mechaniker. Mit dem flog ich dann kurz eine Runde und dabei durften wir feststellen, dass ein Zündkreis nicht mehr funktionierte. Und stellt Euch mal vor: Man fliegt vom Meer an, das Ufer ist mit Steinblöcken versetzt und gleich dahinter beginnt die Landebahn: Wie fliegen also an und der Mechaniker neben mir dreht immer wieder am Schlüssel um die beiden Zündkreise zu testen wobei es natürlich Zündaussetzer gab ... im Angesicht der näher kommenden Steinblöcke!!

 

Ich hatte Angst!

Das war's dann

Wir erreichten mal die korsische Küste ...

das kleine Fluplätzlein südlich von Ajaccio, und ...

den Mechaniker!

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